Neues Jahr - No Pegida

Es ist doch verrückt:

Wir lassen uns abhören, es wird in die Sozialkassen gegriffen, Banken werden zu Lasten der Steuerzahler saniert, die Altersarmut nimmt zu und und und ... Alle diese Themen konnten uns nicht dazu bewegen, auf die Straße zu gehen und für unsere Rechte, die im Grundgesetz verankert sind, zu demonstrieren. 

Aber Bewegungen wie "Pegida" oder "Demokratie für alle" gelingt es, eine nicht unerhebliche Zahl von unzufriedienen Bürgern zu mobilisieren, um Stimmung gegen Ausländer, Flüchtlinge, sexuelle Minderheiten etc. zu erzeugen. Statt die Ursachen der Probleme bei den Mächtigen zu suchen, sucht man sich noch Schwächere als Objekt ihres Zorns.

Am 22.12.2014 war ich nach vielen Jahren mal wieder auf einer Demonstration. Vor der Bayerischen Staatsoper versammelten sich über 12.000 Münchnerinnen und Münchner, um ein Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzten. Ich hatte das Gefühl, es wurde verdammt noch mal wieder Zeit, öffentlich Flagge zu zeigen, denn auch ich gehöre schließlich einer gesellschaftlichen Minderheit an. Bekennende Homosexuelle erleben in Deutschland auch heute noch Ausgrenzung und Diskriminierung, ein Coming out erfordert Mut.

Dieses erlebten wir im vergangenen Jahr anläßlich der Online-Petition mit dem Titel "Zukunft - Verantwortung - Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens". Darin wurde Stimmung gegen alles,  was zum "Aktionsfeld LSBTTIQ" gehört, geschürt. "LSBTTIQ" steht für "lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell und queer"."Unterste Schublade" ist beschönigt ausgedrückt für das, was Befürworter der Petition an Argumenten anführten. Sie zeugten von massiver Homophobie.


Die Bewegung Pegida nährt sich aus Ängsten, der eigenen Unzufriedenheit, dem Gefühl, zu den Verlierern der Gesellschaft zu gehören. Wie sagte der SZ-Journalist Heribert Prantl in einem Interview vom 16.12.2014: Er findet bei den Demonstranten kaum „diffuse Ängste“, sondern konkrete Ressentiments gegenüber Minderheiten, Ausländern, Homosexuellen und Frauen. PEGIDA wolle entgegen Eigenaussagen weniger Rechte für Minderheiten. Diese Demonstrationen sind ein Hort für alles Rückwärtsgewandte. Nicht im Nostalgischen, sondern im Gefährlichen. Mit Leuten, die die Religionsfreiheit infrage stellen und Flüchtlinge schäbig behandeln, sei kein Dialog sinnvoll" (hier das Interview).


Jeder, der bei Pegida mitläuft, muss sich inzwischen bewußt sein, dass er in der braunen Soße rührt und die Proteste an "dumpfe Vorurteile, Fremdenhass und Intoleranz appelierten" (Helmut Schmidt). 

Ob "Aufstand der Anständigen" (Gerhard Schröder), "Licht aus-für-Rassisten", Gegenkundgebungen "nopegida" - ich bin froh, dass es immer mehr Menschen in Deutschland gibt, die sich Pegida entgegenstellen und sagen "Platz da - Flüchtlinge sind hier Willkommen" "Vielfalt statt Einfalt" - "Willkommen im Abendland"...


Also, ihr Pegida-Demonstranten. Statt eure dumpfen Parolen zu grölen und in eurem Haß und in euren Vorurteilen zu verharren, nutzt den Montagabend, um mal mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. Hört euch ihre Geschichten an. Ihr könnt auch mal eure Eltern Großeltern, Verwandte, Freunde, Nachbarn fragen, denn auch unter ihnen wird es Menschen geben, die nach dem Krieg 1945 ihre Heimat in Schlesien, Pommern usw. verloren haben. Viele von ihnen brechen auch heute noch in Tränen aus, wenn sie von der verlorenen Heimat erzählen oder von der Ablehnung, die ihnen die "alten Deutschen" entgegenbrachten. Viele dieser Vertriebenen haben das Trauma der Flucht nie richtig überwinden können. Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, egal aus welchen Gründen, verlieren ihre Wurzeln, Famlien, Freunde, Heimat. Wenn sie sich also auf den Weg machen, werden sie dabei bestimmt nicht an eine soziale Hängematte im gelobten Land Deutschland denken.


Es gibt  ein wunderbares Indianerzitat eines unbekannten Apachenkriegers:

“Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.”


Ein Motto für 2015 ? 

Ich hoffe, wir bleiben kritisch und mischen uns ein, nicht nur gegenüber Bündnissen, die sich gegen Minderheiten stellen.

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