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Porträt - Evangelischer Presseverband (epv)
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Tatort Strafraum
Die Kirchenmitarbeiterin Corinna Behrens spielt Fußball und schreibt Krimis über ihren Sport
München (epd). Fußball ist ihr Leben. "Seit ich mich erinnern kann, bin ich dem Ball hinterher gerannt", erzählt die eingefleischte Mönchengladbach-Anhängerin und leidenschaftliche FC-Bayern-Gegnerin Corinna Behrens. Die 43-Jährige hat sich als Spielerin, Trainerin und Schiedsrichterin in einer Männerdomäne durchgebissen, sie spielte zeitweise in der 2. deutschen Frauenfußball-Liga. Heute arbeitet Behrens in der Verwaltung im evangelischen Landeskirchenamt in München und schreibt Fußball-Romane für Mädchen.
Die ersten Schritte im Fußball-Geschäft waren schwierig. "Es war eine schöne Zeit, aber Mädchen mussten sich damals noch alles hart erkämpfen", erinnert sich Behrens. Mädchenvereine gab es in den 70er Jahren nur wenige, die gebürtige Wilhelmshavenerin musste daher mit elf Jahren in einer Jungen-Mannschaft spielen.
Mit 13 Jahren kam sie in die erste Frauenmannschaft: nicht unbedingt, weil sie so gut spielte, sondern weil es eben nur dieses eine Team für das weibliche Geschlecht gab. "Da hat alles mitgespielt", erzählt Behrens fast schon belustigt. "Vom elfjährigen Mädchen bis zu über 50-jährigen Frauen." Zum Glück habe sich bis heute viel geändert, Mädchenmannschaften seien inzwischen etwas Selbstverständliches.
1989 zog es Corinna Behrens, die auch ausgebildete Trainerin und Schiedsrichterin ist, nach München. Zunächst spielte die Spielmacherin in der Bezirksliga, nach einem Vereinswechsel wurde sie mit ihrem Team Oberbayerischer Pokalsieger und Bezirksliga-Meister und stieg daraufhin in die Verbandsliga auf, die damalige 2. Liga: "Das waren mein größten Erfolge als Spielerin", sagt die lebhafte Frau stolz - und natürlich ein 1:0-Sieg gegen die Damen des FC Bayern. 2007 war nach einem Anriss der Achillessehne aber abrupt Schluss mit der Fußball-Karriere.
Dafür war aber nun genug Zeit, sich einem anderen Hobby zu widmen: dem Schreiben. "Mir ist aufgefallen, dass es kaum Bücher über Mädchen und Fußball gab", erzählt die jugendlich und offen wirkende Frau. "Das wollte ich ändern." Schon mit elf Jahren hatte sie mit dem Schreiben begonnen, ihre Gedichte und Kurzgeschichten aber nie veröffentlicht. Gesagt, getan. Bis heute hat sie drei Jugendromane über die junge Fußballerin Imke geschrieben.
"Fußballkrimis" nennt Behrens ihre Bücher, auch wenn mit jedem neuen Roman vermehrt andere Themen in den Mittelpunkt gerückt sind als die reine Aufklärung eines Falls. Zunächst müsse Imke noch herausfinden, wer kurz vor dem entscheidenden Meisterschaftsspiel die Trikots ihrer Mannschaft geklaut hat, "später werden die Romane aber gesellschaftskritischer", erklärt Behrens. Es geht um aktuelle Themen wie Hartz IV, Homophobie und Missbrauch.
Ihr sei inzwischen aufgefallen, dass nicht nur Mädchen, sondern auch viele Frauen ihre Bücher lesen. Selbst die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler habe sich als Fan der Imke-Reihe geoutet, erzählt Behrens stolz. Und auch der Deutsche Fußballbund (DFB) ist auf die schreibende Kickerin aufmerksam geworden und empfiehlt ihre Bücher auf seiner Homepage.
Sie möchte dazu beitragen, dass sich Mädchen mehr mit ihrem Sport identifizieren, erläutert die Autorin. Denn dass der Frauenfußball immer noch zu wenig Beachtung findet - daran hätten auch die Frauen selbst Schuld, meint Behrens. Ausgebildete Trainerinnen gebe es kaum, und die Spielerinnen interessierten sich meist selbst nur für den Männerfußball. "Es gibt sehr viele talentierte Mädchen auch in den unteren Ligen, die aber einfach nicht den Ehrgeiz haben, höherklassig zu spielen", bedauert sie.
Unglaublicherweise bekäme sie von den Mädchen, die sie trainiert, oft zu hören: "Och, Frauenfußball ist doch langweilig." Solange sich das nicht ändere, bleibe Frauenfußball immer eine Randsportart, da helfe auch die WM im eigenen Land nichts, sagt Behrens fast schon ein wenig resigniert.
Zwar sei die Nationalmannschaft inzwischen akzeptiert, aber der normale Spielbetrieb, also die Bundesliga, nicht. "Das ist das eigentliche Problem", ist Behrens überzeugt. Jetzt sei Frauenfußball in Mode, aber nach dem Hype um die Weltmeisterschaft in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) würden die Frauen wieder vor den üblichen 300 bis 1.000 Zuschauern spielen.
Trotzdem freut sich Behrens auf die WM. Auch Favoriten hat sie schon: Deutschland, USA und Brasilien. Doch ihr Daumendruck gelte natürlich vor allem den Deutschen sowie ihrer Lieblingsspielerin, der dreifachen Weltfußballerin Birgit Prinz.
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Interview auf Womensoccer
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Interview auf www.womensoccer.de mit Markus Juchem
Corinna Behrens: „Dem Mädchen- und Frauenfußball eine Stimme geben“ 12.Dezember 2007 @ 13:50 Uhr
Bereits vor rund drei Wochen haben wir Euch in einem unserer Splitter auf den Mädchenfußball-Roman „Imke und die gestohlenen Trikots“ aufmerksam gemacht. Wir von Womensoccer.de wollten nun einmal genauer wissen, was es mit dem Buch auf sich hat. Im Interview spricht Autorin Corinna Behrens darüber, wie die Idee zum Roman entstand, über Pläne für die Zukunft und auch die Entwicklung des Frauenfußballs. Und zuguterletzt verlosen wir sogar vier Exemplare des Romans. Wie kommt man auf die Idee, einen Roman über Mädchenfußball zu schreiben? Ich habe drei Jahre lang ein Fernstudium bei der Schule des Schreibens in Hamburg gemacht. Dort war eine der Hausaufgaben, einen Kinderkrimi zu schreiben. Ich hatte auf einmal die Idee mit den gestohlenen Fußballtrikots einer Mädchenmannschaft und sendete die ersten Seiten meinem Lektor Rolf Bergmann zu. Dieser war sofort begeistert und hat mich animiert, das Buch zu Ende zu schreiben. Ich habe schon als Kind Fußball gespielt, bin mit 13, 14 Jahren in den ersten Dorfverein eingetreten. Ich bin seit über 25 Jahren im Fußball dabei, habe viel erlebt. Fußball war schon immer mein Lebensinhalt, das Schreiben ist eine weitere Leidenschaft. Wie waren bisher die Reaktionen? Das Buch ist erst seit ein paar Wochen auf dem Markt. Aber ich habe bereits zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Zum Beispiel von einer Deutschlehrerin aus Baden-Württemberg. Das war für mich eine Art Ritterschlag. Eine andere Lehrerin will es in die Bücherliste an ihrer Schule aufnehmen. Auch die Landesverbände haben positiv reagiert und das Buch teilweise als Weihnachtstipps aufgenommen oder auf ihrer Website vorgestellt. Das zeigt, dass das Buch gut ankommt. Jetzt heißt es, darauf aufzubauen und es unter das Publikum zu bringen. Gab es auch Reaktionen aus den Bundesligavereinen? Bisher habe ich nur Rückmeldung von Saarbrücken bekommen. Steffi Jones habe ich mein Buch in die Hand gedrückt, als ich sie in Oberhaching bei der Verlängerung des Trainerscheins getroffen habe. Ich habe sie darum gebeten, etwas Werbung dafür zu machen, nachdem sie ja gerade selbst ein tolles Buch geschrieben hat. Für welche Altersstufe ist das Buch gut geeignet? Ab 11 Jahren. Das ist ein gutes Alter, es zu lesen. Nach oben gibt es keine Grenze. Von welcher Motivation wurden Sie getrieben? Ich wollte dem Mädchen- und Frauenfußball in der Literatur eine Stimme geben. Ich will, dass ein paar Mädchen das Buch in die Hand nehmen und sagen: „Das ist toll!“ Fußball gibt einem viel für den gesamten Lebensweg mit, Tugenden wie Teamfähigkeit und Verantwortung. Ich selbst war ein schüchterner Mensch und habe durch Fußball Selbstbewusstsein getankt, Freunde kennengelernt und Verantwortung übernommen. Das ist auch bei Imke so, dass sie durch den Fußball mutig und selbstsicher wird. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig der Sport für die Entwicklung eines Menschen sein kann. Sind denn weitere Bücher geplant? Der Nachfolgeband kommt im Frühjahr heraus, das ist das zweite Projekt, an dem ich arbeite. Der Titel steht noch nicht fest. In meinem Kopf sind auch schon wahnsinnig viele Ideen für weitere Bücher. In 25 Jahren Frauenfußball lernt man Menschen aller Kategorien kennen, macht viele positive, aber auch negative Erfahrungen, wie im richtigen Leben. Mit etwas Fantasie kann man dann auch ganz viel dazu schreiben. Das Problem ist die Zeit, wenn man nebenbei noch den Job hat. Vom Schreiben allein kann ich leider noch nicht leben, das ist schwierig. Aber wer weiß… Sind Sie denn die Erste, die den Mädchenfußball in der Literatur thematisiert hat? Ich habe festgestellt, dass es ein, zwei kleine Romanreihen über den Mädchenfußball gibt, die noch nicht so lange auf dem Markt sind. Für meinen Roman spricht, dass ich aus dem Bereich komme. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen Büchern ist. Wenn man selber im Frauenfußball groß geworden ist, sieht man viele Dinge ganz anders, aus einer anderen Warte, als wenn es jemand von außen schreibt. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs? Jeder muss selber begreifen, dass er etwas dazu tun kann, um den Frauenfußball nach vorne zu bringen. Ich muss leider immer wieder feststellen, dass oft Begeisterung und Leidenschaft bei den Spielerinnen fehlen. Von 15 Mädchen sind vielleicht fünf richtig heiß auf Fußball, fünf machen mit und fünf wollen damit angeben, dass sie Fußball spielen. Dagegen ist das Umfeld oft begeistert, wenn man erzählt, dass man sich für den Frauen- und Mädchenfußball engagiert. Ich merke das auch am Buch. Es gibt unheimlich viele Interessenten außerhalb des Fußballs, innerhalb des Kreises ist das gar nicht unbedingt so. Es fehlt die Bindung, als wenn es aufhört, wenn man vom Training nach Hause kommt oder vom Spiel zurück ist. Auf dem Trainerlehrgang war ich unter 34 Männern die einzige Frau. Es fehlt einfach noch an der Akzeptanz. Solange die Bundesliga so wenig Zuschauer hat und so wenig TV-Aufmerksamkeit bekommt, ist es schwierig. Aber es liegt wie gesagt auch viel an den Frauen und Mädchen selbst, mehr für die Akzeptanz zu tun. Gewinnspiel Womensoccer.de verlost 4 Exemplare des Romans „Imke und die gestohlenen Trikots“. Schickt einfach eine Mail an markus[at]womensoccer.de und beantwortet folgende Frage: “Ab welcher Altersstufe empfiehlt die Autorin das Buch zum Lesen?” Der Einsendeschluss ist heute in einer Woche, am 19. Dezember, um 12.00 Uhr. Wer noch auf der Suche nach einem pfiffigen Weihnachtsgeschenk ist, kann den Roman direkt beim Book-Print-Verlag, aber auch in jeder Buchhandlung und im Internet bei Amazon, Thalia, Weltbild, BOL und Booxtra zum Preis von 10 Euro beziehen. Mehr Infos gibt es auf der Website der Autorin.
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